Visuelle Ursachen von Lese-Rechtschreib-Schwächen 2017-05-23T10:21:08+00:00

Visuelle Ursachen von Lese-Rechtschreib-Schwächen

Für alle Bevölkerungsgruppen ist das Lesen und Schreiben in jeder Altersphase von großer Bedeutung. Für Kinder ist das Erlernen der Wort- und Schriftsprache eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Schul- und hierauf aufbauende Berufskarriere.

Einleitung

Als Folge von Leistungsstörungen in der Schule manifestieren sich bei einem Teil der Kinder psychische und/oder soziale Folgestörungen. Seit mehr als 100 Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler unterschiedlichster Fachdisziplinen mit der Erforschung der Ursachen für Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens bei Kindern, welche ansonsten eine gute Intelligenz aufweisen.

Schon in den Jahren 1885/86 berichtete der praktische Arzt Oswald Berkham in Braunschweig über „Störungen der Schriftsprache“ bei einem Jungen, welcher im Diktat Buchstaben ähnlich wie „Stammelnde es beim Sprechen tun“ verwechselte. In diesem Zusammenhang definierte im Jahre 1896 der englische Augenchirurg Morgan die Störung der Schriftsprache als eigenständiges klinisches Syndrom mit dem Begriff der „angeborenen Wortblindheit“, die zum Beispiel durch neurologische Erkrankungen verursacht werden kann.

Generell können wir sagen, dass die Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) multifaktoriell bedingt ist. Neben genetischen Faktoren können Störungen in der auditiven, sprachlichen und visuellen Informationsverarbeitung ursächlich verantwortlich sein.

Beziehungen zwischen Sehanomalien und Lesefähigkeit

Seit Jahrzehnten wird der Einfluss von monokularen und binokularen Sehfehlern auf die LRS untersucht. Sehfehler müssen nicht automatisch zu Lese-Rechtschreib-Problemen führen, obwohl ein gutes Sehen eine der Voraussetzungen für eine adäquate visuelle Informationsaufnahme ist. Es steht infolgedessen in diesem Zusammenhang außer Frage, dass ein Text, welcher verschwommen, unruhig oder auch mit großer Anstrengung wahrgenommen wird, Probleme beim Lesen erzeugt.

Es ist daher allgemein anerkannt, dass Sehfehler und Stellungsfehler der Augen sich auf die Qualität der visuellen Wahrnehmung und die Leistungsfähigkeit von unterschiedlichen Sehfunktionen auswirken können, wodurch das Lesen erschwert werden kann.

Eine an der heutigen Beuth Hochschule für Technik Berlin im Fachbereich Augenoptik/Optometrie geschriebene Diplomarbeit unterstreicht dies; des Weiteren zeigen diese und andere wissenschaftliche Arbeiten auf, dass durch eine entsprechende optometrische Intervention in vielen Fällen dem Kind geholfen werden kann.

Zu den Interventionsmöglichkeiten gehören neben einer manchmal notwendigen Entlastungsbrille unter anderem die Verordnung von farbigen Lesefolien zur Erzielung einer ruhigeren visuellen Wahrnehmung oder auch ein entsprechendes Visualtraining.

Zusammenfassung

Eine LRS ist in der Regel multifaktoriell bedingt. Je früher eine LRS bei einem Kind erkannt wird, umso erfolgreicher kann hierauf Einfluss genommen werden. Alle in diesem Zusammenhang stehenden möglichen Ursachen sollten hierbei in Betracht gezogen werden.

Hierzu gehören auch mögliche Mängel in der visuellen Verarbeitung, die das Lesen erschweren können. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass die Tatsache, dass ein Kind „gut“ sieht, wenig darüber aussagt, ob eine sehbedingte Beeinträchtigung vorliegt.

Aus diesem Grund sollte vor Beginn einer LRS-Behandlung eine eingehende optometrische Untersuchung vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass etwaige korrektionsnotwendige Seh- oder Wahrnehmungsmängel frühzeitig erkannt werden.

Ein gutes und anstrengungsfreies Sehen ist eine der Grundvoraussetzungen für ein problemloses Lesen und Schreiben. Eine rechtzeitige Augenprüfung hilft in diesem Zusammenhang in vielen Fällen.